Samstag , 16 November 2019
Home » Denkwerkzeuge » Planungszeit vs. Entwicklungszeit – der ewige Konflikt zwischen Manager und Entwickler

Planungszeit vs. Entwicklungszeit – der ewige Konflikt zwischen Manager und Entwickler

Kreativ arbeiten und Neues entwickeln

Warum dauert den das solange? Ein Klassiker unter den Manager-Sprüchen. Sind sie Manager? Sind sie Entwickler? Haben sie ihre geistige Position eingenommen? Gut. Als “Entwickler” können sie auch jede Art von kreativer Wissensarbeit im Sinne einer neuartigen Problemlösung einsetzen. Als Manager werden sie mir zustimmen, dass Aufgaben und Projekte immer irgendwie zu lange dauern. Als Entwickler werden sie sich denken, die Manager haben doch keine Ahnung, wie lange “so etwas” dauern kann.

Als Kinder haben wir unseren Opa oft gefragt, wann etwas fertig ist. Zum Beispiel der Bau des Hühnerstalls. Seine Antwort war fast immer: Fertig ist’s wenn’s fertig ist! Bringen sie als Entwickler mal diesen Spruch. Sie können dann förmlich sehen, wie der Blutdruck des Managers steigt und seine Halsschlagadern anschwellen.

Nur Routineaufgaben sind planbar

Wenn der Manager dann empfiehlt, mehr Mitarbeiter an die Aufgabe zu setzen, können sie als Entwickler mit dem Beispiel der Schwangerschaft nachlegen. Eine Schwangerschaft mit einer Frau dauert 9 Monate, eine Schwangerschaft mit 2 Frauen, dauert? Genau, auch 9 Monate. Der Manager möchte aber, dass sie meist sein “Ideenkind” in 5 Monaten auf die Welt bringen.

Wenn sie in einem Softwareunternehmen tätig sind, erzähle ich ihnen bis hier her nichts Neues. Sie werden sich denken: Genau, diesen Konflikt tragen wir auch jeden Tag aus. Nun, wie fast immer, hilft es genauer hinzuschauen. Es gibt Aufgaben, die kann man planen und es gibt Projekte, die müssen sich entwickeln und sind im Voraus nicht planbar. Beides gilt es zu unterscheiden.

Aufgaben sind planbar, wenn ich genau weiß was zu tun ist. Ich kenne die einzelnen Schritte und Tätigkeiten und deren Zeitbedarf. Es gibt keine Unbekannten und keine Überraschungen im Ablauf. Das trifft eigentlich nur bei sehr standardisierten Routineaufgaben zu. In Softwareunternehmen sind diese eher die Ausnahme.

Kreative Arbeit muss sich entwickeln

Neuentwicklungen haben meist viele Unbekannte. Es ist auch fast immer eine “Lernphase” mit dabei. Bei Kundenaufträgen stellt man häufig fest: Das was wir können, will der Kunde nicht, und das was der Kunde will, können wir (noch) nicht. Sowohl Entwicklungszeiten als auch Lernphasen haben ihre natürlichen Eigenzeiten. Diese sind weder planbar noch beschleunigbar. Biologische Eigenzeiten eben, wie bei der Schwangerschaft.

Da hilft es als Manager auch nicht, zu Überstunden aufzufordern. Als Entwickler, oder allgemeiner als Wissensarbeiter, habe ich entweder eine Idee zur Problemlösung oder ich habe keine. Das kann mal 30 Minuten dauern oder 3 Stunden, nicht plan- und beschleunigbar. Im Gegenteil, Untersuchungen bei AT&T haben schon vor 40 Jahren gezeigt, dass Überstunden die Produktivität verringern und die Fehlerhäufigkeit zunimmt. Und neue Ideen entstehen unter Stress schon zweimal nicht. Die aktuelle Hirnforschung zeigt eher, dass Stress “dumm” macht.

Die Mentalität in der Manager in Planungszeiten und Entwickler in Entwicklungszeiten denken, ist bereits tief in der Kultur der jeweiligen Profession verankert. Der Beruf des Managers besteht im Kern aus vielen kurz getakteten Einzelaufgaben mit viel Routine. Er ist quasi gezwungen, die Aufgaben linear zu serialisieren und zu planen, um sein Arbeitspensum zu bewältigen. Für ihn ist es eine Notwendigkeit, so zu denken und zu planen.

Leider vergisst er dann allzu leicht, dass es auch Tätigkeiten gibt, die nicht nach diesem Planungsschema funktionieren. Ich selbst, habe nach meinen Studium mehrere Jahre programmiert und bin später ins Management aufgestiegen. Kenne daher beide Seiten sehr gut. Denn der Manager muss natürlich intern Kosten planen oder die Aufwände für Projekte abschätzen, um den Kunden ein Angebot zu machen.

Widersprüchliche Anforderungen meistern

Wie kann man nun, diesem Dilemma entkommen? Wie bei vielen, schon von Henry Mintzberg (Provisions-Link) beschriebenen Management-Dilemmata, gar nicht. Man kann nur versuchen sie auszubalancieren. Zunächst gilt es zu erkennen, um welche Art von Aufgabe es sich handelt. Ich denke, Routineaufgaben brauchen wir hier nicht weiter zu besprechen. Dafür gibt es jede Menge Methoden und Werkzeuge (Zeitmanagement, Prozessoptimierung etc.), um diese auf Effizienz zu trimmen.

Schwieriger wird es bei “Entwicklungsprojekten”. Das kann z. B. die Programmierung einer Software, das Schreiben eines Textes oder die Entwicklung einer Innovation sein. Wer hier versucht, durch Druck die Entwicklungszeit auf unnatürliche Weise zu beschleunigen, erntet meist schlechte Qualität. Doch wie, unter dem Paradigma “Zeit ist Geld”, die Rentabilität trotzdem sicherstellen?

Die Strategie ist: auf “Wiederverwendbarkeit” oder “Mehrfachverwertbarkeit” zu achten!

Wenn sie z.B. eine Software tausendmal verkaufen können, fällt es nicht so sehr ins Gewicht, ob sie daran 5 oder 9 Monate entwickelt haben. Einen Text schreibe ich nicht nur für einen Blog oder eine Fachzeitschrift, sondern versuche diesen (in leicht abgewandelter Form) zweit und dritt zu verwerten usw. Selbst bei individuellen Kundenprojekten, gibt es die Möglichkeit, Softwaremodule so zu designen, dass sie auch in anderen Projekten wiederverwendbar sind. So ist es möglich, Wirtschaftlichkeit und Unplanbarkeit erfolgreich miteinander zu vereinen.

Fazit: Es gibt Aufgaben, die unterschiedlichen Gesetzmäßigkeiten folgen: Planungszeit versus Entwicklungszeit. Schauen sie genau hin, was vorliegt. Versuchen sie Entwicklungsleistungen wiederverwendbar zu gestalten, um die Unsicherheit bezüglich der Wirtschaftlichkeit zu verringern.

Bild von StartupStockPhotos auf Pixabay

Check Also

Abenteuer Segeln

Abenteuer Produktmanagement

[Gastartikel] Produktmanagement ist eine spannende Aufgabe – aber sicher nicht für jeden. Wer es gerne …